Informationen zum Thema Lebensmittelunverträglichkeit

Viele Menschen leiden an einer Form von Lebensmittelunverträglich. Oft ohne, dass es ihnen bewusst. Hier finden Sie die wichtigsten Fragen zum Thema – und hilfreiche Antworten darauf:


Was ist eigentlich Zöliakie und was genau versteht man unter Laktoseintoleranz?

Zöliakie ist eine Erkrankung, die durch eine Unverträglichkeit gegenüber dem Eiweiss „Gluten“ das in verschiedenen Nahrungsmitteln enthalten ist - ausgelöst wird. Bereits kleine Mengen Gluten führen in der Dünndarmschleimhaut zu einer Autoimmunreaktion, welche die chronische Entzündung des Dünndarms zur Folge hat. Die sogenannten Dünndarmzotten werden dadurch beschädigt und schlussendlich können Nährstoffe nur noch vermindert aufgenommen werden. Laktoseintoleranz, auch Milchzuckerunverträglichkeit genannt, entsteht durch eine ungenügende Bildung des Enzyms „Laktase“ im Dünndarm, welches den Milchzucker Laktose aufspaltet. Die Laktose kann also nicht mehr verdaut werden. Die Ursache dafür ist oftmals entweder genetisch bedingt oder wird durch einen Schaden der Dünndarmschleimhaut hervorgerufen. In Europa sind 15 bis 25% in der Gesamtbevölkerung davon betroffen.

Lebensmittelunverträglichkeiten sind immer mehr ein Thema. Warum gibt es immer mehr Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten?

Lebensmittelunverträglichkeiten werden heute sicherlich häufiger diagnostiziert wie noch vor zehn Jahren. Zöliakie ist aber eine sehr alte Erkrankung und erste Beschreibungen des Krankheitsbilds reichen zurück bis 100 v. Christus. Erst 1950 hat ein holländischer Arzt festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Getreideeiweiss Gluten und dem Ausbruch der Krankheit, resp. den Symptomen der Zöliakie gibt.

Durch die einfachere und schnellere Diagnose, das neues Ernährungsbewusstsein in der westlichen Gesellschaft und deren Möglichkeiten einer gesunden, ausgewogenen Ernährung rücken diese Themen immer mehr in den Fokus: Eine Nahrungsmittelintoleranz ist heute kein Tabuthema mehr und diese Präsenz kann durchaus den Anschein erwecken, dass jede oder jeder etwas nicht verträgt.

Wie viele Betroffene gibt es in der Schweiz?

In der Schweiz sind etwa 1% der Bevölkerung von Zöliakie betroffen. Das sind ungefähr 78'000 Menschen. Aber erst 2 von 10 sind diagnostiziert.
Es gibt daher eine relativ grosse Grauzone von betroffenen Personen. Zöliakie kann sich eben in vielen verschiedenen Formen zeigen, was die Diagnose oftmals erschwert. Bei „chronischen Bauchbeschwerden“, Eisenmangel, Müdigkeit oder auch Gefühl immer „schlapp“ zu sein, lohnt es sich eine Zöliakie abzuklären. Die Zöliakie zeigt sich bei Erwachsenen meist durch diese Symptome.
Laktoseintoleranz tritt sogar noch häufiger auf, bei 15 bis 25% der Gesamtbevölkerung.
Grundsätzlich ist die Zahl der Betroffenen relativ stabil – wobei dies immer nur Schätzungen sind! In den vergangen Jahrzehnten wurde aber weitaus weniger diagnostiziert und so steigt mit der Sensibilisierung auf die Thematik die Zahl der Neudiagnose sicherlich an.

Bei vielen Menschen scheinen Zöliakie und Laktoseintoleranz gemeinsam aufzutreten. Gibt es dazu eine wissenschaftliche Erklärung? Zusammenhang?

Tatsächlich besteht hier eine wissenschaftliche Erklärung: Bei einer Zöliakie wird mit der Schädigung der Dünndarmzotten auch das dort gebildete Enzym Laktase beschädigt. Dieses spaltet normalerweise den Milchzucker in seine beiden Bestandteile auf. Passiert dies nicht, kann Laktose nicht mehr verdaut werden. Man spricht von einer sekundären Laktoseintoleranz, denn wenn die primäre Ursache – die Dünndarmschädigung – behoben ist, wird der Milchzucker oft wieder vertragen. Es ist aber nicht zwingend, dass Personen mit Zöliakie auch unter Laktoseintoleranz leiden.
Umgekehrt führt aber eine Laktoseintoleranz nicht zu einer Zöliakie. Ein Zusammenhang ausgehend von Laktoseintoleranz besteht nicht.

Wieso „entwickeln“ manche Menschen eine Unverträglichkeit erst im Laufe ihres Lebens? Gibt es externe Auslöser für Unverträglichkeiten oder wird es erst spät bemerkt?

Grundsätzlich ist es sowohl für die Laktoseintoleranz wie auch für die Zöliakie so, dass eine genetische Veranlagung besteht. Über die genauen Auslöser – also warum die Nahrungsmittelbestandteile „plötzlich“ Beschwerden machen – wird intensiv geforscht und diskutiert.
Im Bereich der Zöliakie werden Umweltfaktoren wie Viren oder Bakterien vermutet. Diskutiert wird auch, dass unsere Getreideprodukte heute durch die Züchtung immer mehr Gluten enthalten könnten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist aber noch keine endgültige Antwort auf diese Frage gefunden.
Bei der Laktoseintoleranz werden auch die Umweltfaktoren erforscht. Man beobachtet aber gleichzeitig, dass manche Menschen durch den Konsum von Milch eine Art Toleranz bilden können.
Auch muss man berücksichtigen, dass im Falle einer sekundären Laktoseintoleranz (wie sie oft zusammen mit der Zöliakie auftritt) der Milchzucker nach einiger Zeit ebenfalls wieder vertragen werden kann. Bei der Zöliakie ist das leider nicht so: Einmal Zöliakie, immer Zöliakie.

Ich habe das Gefühl, dass ich nicht alle Lebensmittel gut vertrage. Wie kann ich mich testen lassen, ob ich vielleicht eine Gluten- oder Laktoseunverträglichkeit habe?

Beides kann einfach beim Hausarzt abgeklärt werden. Für die Zöliakie-Abklärung ist eine Blutentnahme notwendig bei der drei spezifische Zöliakie-Antikörper untersucht werden. Der Bluttest ist sehr verlässlich und bei einem Hinweis auf Zöliakie wird dann in einem zweiten Schritt die Dünndarmschleimhaut untersucht. Diese Untersuchung gibt Aufschluss auf das genaue Ausmass der Schädigung des Dünndarmes. Sie ist allerdings etwas aufwändiger. Hierzu wird eine Magen-Darm-Spiegelung von einem spezialisierten Gastroenterologen vorgenommen.
Wichtig ist es bei Verdacht auf eine Zöliakie zunächst noch glutenhaltige Speisen zu essen, sonst könnte der Bluttest falsch ausfallen.
Eine Laktoseintoleranz klärt der Hausarzt mit dem sogenannten „H2-Atem-Test“ ab, bei dem Milchzucker in Form einer Flüssigkeit getrunken wird. Falls der Milchzucker nicht verdaut werden kann, wird er im Darm vergoren und es entstehen verschiedene Gase. Diese Gase werden grösstenteils wieder abgeatmet und können mit dem Test gemessen werden.

Sind Lebensmittelunverträglichkeiten vererbbar?

Innerhalb der Familie besteht eine 5 bis 10% -Chance, ebenfalls an Zöliakie zu erkranken, wenn da eine sogenannte genetische Prädisposition besteht.
Auch die Laktoseintoleranz kann vererbt werden hier ist die Wahrscheinlichkeit aber sehr unterschiedlich, da diese von der ethnischen Gruppe abhängig ist. Praktisch alle Personen im asiatischen Raum haben eine Laktoseintoleranz.

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